Standortfaktoren

Weber (1909), auf den der Begriff des Standortfaktors zurückgeht, definierte diesen als einen seiner Art nach scharf abgegrenzten Vorteil, der für eine wirtschaftliche Tätigkeit dann eintrifft, wenn sie sich an einem bestimmten Ort oder auch an Plätzen bestimmter Art vollzieht (zitiert nach Bestmann 1994, S. 41). In anderen Worten handelt es sich bei Standortfaktoren um die vom Unternehmen als wesentlich erachteten Produktmerkmale von Standorten (vgl. Spiess 1998, S. 28) die gleichzeitig als Kriterien der Standortwahl fungieren. In der Literatur findet sich eine Vielzahl von Arbeiten zur Analyse wichtiger Standortfaktoren (vgl. z.B. Dichtl et al. 1997, Gehrung 1996, Manschwetus 1995, Sabathil 1969, Tenderich 1980; Ergebnisse einer empirischen Untersuchung bei der eine hohe Anzahl von KMU befragt wurde, finden sich in Balderjahn/Aleff 1996). Danach wird im allgemeinen den Standortfaktoren Absatzvolumen und -wachstum, Kostenniveau, Infrastruktur und geographische Lage, Politische Stabilität, Finanzielle Förderung, Gesetzliche Rahmenbedingungen und Steuern, Verfügbarkeit von Gewerbeflächen, Qualifikation potentieller Mitarbeiter, Image des Standortes und Wirtschaftsfreundlichkeit der Verwaltung eine besonders hohe Bedeutung zugemessen. Daneben wird - gerade auch von KMU - der weiche Faktor Lebensqualität vor Ort berücksichtigt (Eberwein 1993, S. 225ff.; Love/Crompton 1999, S. 220).

Allerdings gilt es darauf hinzuweisen, daß sich je nach Branchenzugehörigkeit eines Unternehmens und nach den betrieblichen Funktionen, die an einem Standort vertreten sein sollen (Standortentscheidungen, Typen von) signifikante Unterschiede hinsichtlich der Bedeutung einzelner Standortfaktoren ergeben (Grabow et al. 1995, S. 278 und S. 75ff.). In der Unternehmenspraxis müssen ferner deutlich differenziertere Kriterienkataloge zusammengestellt werden, um den spezifischen Anforderungen im Einzelfall gerecht zu werden (Schnurrenberger 2000). Die Identifikation relevanter Kriterien im Unternehmen kann daher bereits als Teil der Bewertungsvorgänge begriffen werden (Standortbewertung, Verfahren zur). Um anschließend konkrete Standortalternativen miteinander vergleichen zu können, müssen Informationen zu den örtlichen Ausprägungen der einzelnen Standortfaktoren erhoben werden (Informationsbeschaffung).

Populär - nicht zuletzt im Zusammenhang mit der Bewertung kompletter Wirtschaftsstandorte (Standortrankings) - ist auch die Zusammenstellung quasi angeblich allgemeingültiger Standortfaktoren-Listen. In der Praxis müssen jedoch sinnvollerweise im Minimum branchenspezifische, besser noch einzelfallsspezifische Kataloge erstellt werden.



© Schnurrenberger, TH Brandenburg / www.KMU-Info.de