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Die i.d.R. synonym gebrauchten Termini Standortwahl bzw. Standortentscheidung beziehen sich auf die gesamte Breite des Willensbildungsgeschehens im Hinblick auf Änderungen der (betrieblichen) Standortstruktur (Standortbegriff) (vgl. Förtsch 1973, S. 69f.). Standortenscheidungen werden im allgemeinen zu den wesentlichen und grundlegenden (d.h. konstitutiven) betrieblichen Entscheidungen gezählt (vgl. Wöhe 1986, S. 380). Generell lassen sich Standortentscheidungen nach verschiedenen Kategorien bzw. Typen differenzieren. Unter die Kategorie Neugründung fallen bsw. Existenzgründungen, aber auch sog. unechte Neugründungen wie Spin-Offs von Abteilungen größerer Unternehmen. Unter die Kategorie Schrumpfung fallen Schließungen von Betrieben bzw. Zweigstellen, reine Schrumpfungen bestehender Standorte, sowie Ausgliederungen und Verkäufe von Betrieben. Die Kategorie Veränderungen innerhalb des Bestandes umfaßt Verlagerungen (ganz oder von Unternehmensteilen) und Ausweitungen/Schrumpfungen auf Kosten oder zugunsten anderer Betriebsstandorte. Unter der Kategorie Erweiterung sind schließlich Neuerrichtungen bzw. Übernahmen von Betrieben/Zweigstellen, sowie der reine Ausbau bestehender Standorte zusammengefaßt (vgl. Grabow et al. 1995, S. 154). In der Populärpresse werden teilweise Meinungen artikuliert, die nahelegen, hier ansässige Unternehmen würden sich potentiell gegen den Standort Deutschland entscheiden und komplett ins Ausland verlagern. Ein solches Szenario dürfte eher einen Einzelfalls darstellen.
In eher qualitativer Hinsicht können dagegen sog. echte (explizite) von sog. unechten (impliziten) Standortentscheidungen unterschieden werden (vgl. Bea/Dichtl/Schweitzer 1992, S. 346). Das dabei zum Tragen kommende Unterscheidungskriterium ist der Grad der Standortwahlfreiheit der bei einer Entscheidung vorliegt. Dieses Konstrukt stellt auf außerbetriebliche, betriebliche und persönliche Zwänge ab, die - in unterschiedlichem Maße - zu einer Verengung der Entscheidungsspielräume führen (z.B. Rohstoffbindung, logistische Zwänge, wirtschaftliche Abhängigkeit etc). Generell kann gelten, daß die beiden gegensätzlichen Pole (totale Wahlfreiheit vs. totale Wahlunfreiheit) in der Praxis nie erreicht werden. Die Standortwahlfreiheit ist daher immer relativer Natur und ist im Einzelfall auf einer Skala zwischen einem eher hohen (explizite Standortentscheidung) oder einem eher niedrigen Ausmaß (implizite Standortentscheidung) zu verorten (vgl. Grabow et al. 1995, S. 140). Im Hinblick auf o.g. Kategorien kann festgehalten werden, daß eine explizite Standortwahl tendenziell eher im Falle von Veränderungs- und Erweiterungsentscheidungen stattfindet (vgl. Bea/Dichtl/Schweitzer 1992, S. 346; Lüder/Küpper 1983, S. 141).
Bei Standortentscheidungen handelt es sich um komplexe und anspruchsvolle betriebliche Aufgaben, die im Vergleich zu anderen betrieblichen Entscheidungen relativ viel Zeit (d.h. unter Umständen mehrere Jahre), sowie einen hohen Informations- und Bewertungsbedarf beanspruchen und Prozeßcharakter aufweisen (vgl. Aharoni 1966, S. 32). Dabei gilt es in der einschlägigen Literatur als unbestritten, daß sich Standortentscheidungsprozesse - trotz einzelfallspezifisch auftretender Unterschiede - in prototypische Phasen einteilen lassen (vgl. z.B. Ballestrem 1974, S. 38; Grabow et al. 1995, S. 135). Die in neueren Arbeiten identifizierten Phasen unterscheiden sich zumeist nicht grundlegend (vgl. Autschbach 1997, Goette 1994, Larimo 1995, Schnurrenberger, in Vorber.).
Am Anfang steht die sog. Konzept- oder Identifikationsphase. Ausgehend von einer spezifischen Problemstellung werden die einschlägigen Ziele, Motive und Strategien für die Standortsuche und -bewertung formuliert bzw. konkretisiert (Standortstrategien). Daraus leitet sich i.d.R. auch bereits der geographische Suchraum - d.h. eine Anzahl adäquat erscheinender Länder oder Regionen, die im weiteren in Betracht gezogen werden - ab (Standortsuchräume). Ferner muß die organisatorische Verankerung der nun anstehenden Aufgaben festgelegt werden (Standortsuche und -bewertung, Organisation der). Im Anschluß finden eine oder mehrere sog. Entwicklungs- und Bewertungsphasen statt. Dabei werden die Rahmenbedingungen potentieller Standorte (Standortfaktoren) miteinander verglichen. Grundlage hierfür stellen aus verschiedenen Quellen erhobene Daten über einzelne Standortalternativen dar (Standortbewertung, Informationsbeschaffung zur). Diese Informationen werden anhand ausgewählter Methoden ins Verhältnis zueinander gesetzt und im Hinblick auf die Anforderungen des Unternehmens bewertet (Standortbewertung, Verfahren der). In der Literatur wird dabei häufig von sukzessive aufeinander folgenden Bewertungsphasen (z.B. Länder-, Regionen-, Kommunen- und Grundstücksbewertung) ausgegangen. Abschließend folgt eine Entscheidungs- und Realisierungsphase in der zunächst unter den bewerteten Standortalternativen eine endgültige Auswahl getroffen wird. Auch aufgrund oftmals langwieriger Umsetzungsprozesse können dann bis zur Aufnahme des Betriebes am neuen Standort u. U. nochmals mehrere Jahre vergehen. Ein mögliches Motiv für die Standortwahl ist auch die Erlangung oder (häufiger) Sicherung von "Herkunftsvorteilen" (z.B. Made-in-Germany)
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